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PORTFOLIO

02.03.2015

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Im November 2013 reiste Manuel Uebler in die Antarktis. Dort schuf er Tausende von Bildern. Eine Auswahl ist in der aktuellen Ausgabe der LFI zu sehen. Von Südargentinien kommend, müssen die Schiffe in Richtung Antarktis die unruhigen Gewässer der Drake-Passage queren. Auch dort hat Manuel Uebler, trotz Seekrankheit, mit seiner Leica M (Typ 240) fotografiert. Ein Gespräch über Moby Dick, wilde Wellen, doppelte Sicht und die Freude über den Anblick der (Eis)Berge.


Was war das für ein Gefühl, die Drake-Passage zu durchqueren? Diese historische Straße, die Francis Drake bei seiner Weltumsegelung 1580 zufällig entdeckte?

Mir schießen immer Bilder durch den Kopf, wenn ich historischen Landschaften begegne. Ich sehe große Segelschiffe mit mehreren Masten, die Segel hart am Wind. Der salzige Sturm lässt Holz und Taue stöhnen … ein Wal bläst … Moby Dick …ein anderes Schiff kentert und die Seemänner ertrinken gnadenlos in den eisigen Fluten …


Mit seinen starken Strömungen ist sie die gefährlichste Meeresstraße der Welt – hatten Sie Angst?

Zum Glück ist die Plancius von Segeln unabhängig und mit Eisklasse III ganz gut gepanzert … das gibt mir ein sicheres Gefühl. Ertrinken werde ich wohl nicht … aber was wird wohl mit der Seekrankheit? Ich bin doch eigentlich ein Bergler, an den Chiemgauer-Alpen groß geworden. Da kennt man die Gefahren der Gebirge schon seit der Kindheit. Aber auf hoher See, in diesen Gewässern? … Da bin ich nervös und Gott sei Dank nicht allein. Mit auf dem Schiff ist eine erfahrene Seemannschaft, überwiegend Russen. Die haben wohl die beste Erfahrung in den Polargebieten. Modernste Technik scannt, navigiert und warnt vor allem, was uns gefährlich werden könnte. Ich bin zuversichtlich. Es geht los. Die Plancius schiebt sich aus dem Beagle-Kanal in die Drake-Passage. Sobald wir den Fjord verlassen, spüre ich den Seegang. Ich hab mir ein Pflaster hinters Ohr geklebt – gegen die Seekrankheit. Doch die Wellen sind stark und gnadenlos. Stunden um Stunden donnern Sie gegen die Stahlhaut des Schiffs. Trotz der Medikamente fällt es schwer, zu leben. Man liegt in der Koje, die Schwimmweste zwischen Füsse und Fussteil des Bettes geklemmt, an der Seitenwand die Jacke und bei jeder Welle rutsche ich hin und her. Auf der Seite liegen ist nicht möglich, sonst rollt man aus dem Bett. Sich bei dem Seegang eine Tasse Tee zu besorgen oder einfach nur zur Toilette zu gehen, wird zum quälenden Abenteuer. Niemand, der nicht unbedingt arbeiten muss, ist mehr zu sehen. Jeder verkriecht sich in die Koje und versucht, so viel wie möglich zu schlafen. Die Seekrankheitspflaster helfen zwar gegen Erbrechen, zeigen aber deutliche Nebenwirkungen bei mir. Extrem trockener Mund, Schwindel und Beeinträchtigung der Sehleistung. Ich sehe doppelt und kann nicht mehr lesen, oder am Rechner arbeiten. Ich beschließe die Flucht nach vorn … Kamera und Objektive packen … und raus an Deck. Rundherum Wasser, nichts als Wasser …


Vergeht einem da, mal abgesehen von dem eigenen körperlichen Zustand, nicht die Lust zu fotografieren, oder ist die Situation, nur von Wasser umgeben zu sein, gerade reizvoll?

Ich lasse mich auf die Drake-Passage ein, versuche die mystischen Stimmungen, die Ängste früherer Generationen von Seefahrern in die Fotografien miteinfließen zu lassen. Dunkel, kalt, unerbittlich … Da, ein Lichtstrahl am Horizont, Hoffnung, Freiheit, ich kann atmen. Wildes Wasser, das an die Struktur von altem Holz oder Schiefer erinnert. Feinste Lichtstimmungen, sanfte Farben, eine spezielle Herausforderung an den Fotografen. Die starken Winde lassen die Kamera in der Hand wackeln, das Taumeln des Schiffs macht ein Stativ unbrauchbar. Wir nähern uns der Antarktis, nach 2 Tagen und 3 Nächten unerbittlichen Seegangs durchbrechen wir den Zirkumpolar-Strom der Antarktis. Ich entferne mein Pflaster und spüre, wie ich von Minute zu Minute wieder ins Leben zurückkehre. Das Medikament baut sich ab und lässt mich wieder klar sehen, die See wird ruhiger und die Sonne geht auf.

Im Licht der ersten Sonnenstrahlen, den ersten großen Eisberg am Horizont, fühle ich mich wie neu geboren. Aufgewacht im Paradies eines fremden Planeten, unbeschreiblich schön und friedlich. Der Kontrast könnte nicht größer sein. Ich freue mich auf die nächsten Tage, die Antarktische Halbinsel und meine Leica.


Weitere Informationen zum Projekt unter www.manueluebler.com.
© Manuel Uebler
© Manuel Uebler
© Manuel Uebler
© Manuel Uebler
© Manuel Uebler
© Manuel Uebler
© Manuel Uebler

Manuel Uebler

1975 in Traunstein geboren, begann 1994 seine Ausbildung zum Fotografen, die er 2003 mit dem Meistertitel abschloss. Er arbeitete in einem Schwarzweißlabor, als Kameraassistent und als Mediengestalter. Seit 2003 ist er als freiberuflicher Fotograf im Bereich Werbung tätig. u. a. für Adidas, Bogner. Diesel und Armani. Veröffentlichungen u.a. in: Vogue, MBM (Mercedes Benz Magazin), Glamour und Instyle Regelmäßig widmet er sich freien Projekten.

www.manueluebler.com
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