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PORTFOLIO

13.06.2017

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Ein Mann, der aus dem Bett in die Schlappen steigt, eine Frau, die sich vor dem Spiegel zurechtmacht – und dazu: endloses Wasser, alles in verschiedene Blaunuancen getaucht. Der französische Fotograf Emeric Lhuisset hat Flüchtlinge in ihrem Alltag in Europa mit der Kamera begleitet und das Resultat als Blaupause gedruckt. Dafür konnte er den Leica Prize beim Grand Prix Images Vevey 2017/18 gewinnen. Ein Gespräch über Sichtbarkeit und den Wunsch, die Wahrnehmung der Menschen zu verändern.

Welche Idee steht hinter Ihrem Projekt?

Ich habe in verschiedenen Kriegsgebieten gearbeitet und viele Menschen, die ich im Irak, Syrien oder Afghanistan getroffen habe, haben sich als Flüchtlinge auf den Weg gemacht. Einige sind bereits in Europa angekommen, andere haben das Ziel niemals erreicht und verschwanden im Meer. Ich verfolge ihre Reise durch die Nachrichten, die wir uns regelmäßig schicken. Das hat mich an die Geschichten meiner Großmutter erinnert, die sie mir erzählte als ich jünger war – über ihre Reise nach Nordafrika, um ein Europa im Krieg zu verlassen. Also habe ich mich entschieden, meine Freunde in Europa zu treffen und ihr tägliches Leben in all seiner Banalität festzuhalten.

Für die Serie haben Sie den Leica Prize beim Grand Prix Images Vevey gewonnen. Was bedeutet das für Sie?

Ich denke, dass das eine gute Gelegenheit sein kann, das Projekt weiter zu entwickeln und ihm eine größere Sichtbarkeit zu verliehen. Vielleicht kann ich damit die Vorstellung ändern, die viele Menschen von Flüchtlingen haben.

Wie kann Fotografie helfen, Wörter wie „Flucht“ oder „Migration“ zu verstehen?

Fotografie ist für mich ein Medium wie Malerei oder Skulptur. Du kannst sie auf die unterschiedlichste Weise nutzen. Mit meiner Arbeit habe ich nicht die Macht, die Gesellschaft zu verändern, aber als Künstler habe ich eine Verantwortung. Ich kann die Wahrnehmung der Menschen ändern und genau das kann die Art und Weise verändern, wie Menschen denken und sich verhalten.

Für welche Technik haben Sie sich beim Druck der Bilder entschieden?

Die Bilder sind als Blaupause gedruckt und nicht fixiert. Sie werden sich entwickeln, wenn die Ausstellung beginnt und werden als blaue monochrome Bilder enden … wie das Blau des Meeres, in dem so viele verschwinden, aber auch das Blau Europas. Denn all diese Flüchtlinge, die ankommen, sind Teil der Zukunft Europas und sind zukünftige Europäer.

Emeric Lhuisset

Geboren 1983, aufgewachsen in Vororten von Paris. Kunststudium an der Ecole nationale supérieure des Beaux-Arts und der Geopolitik an der Université Panthéon Sorbonne/Ecole Normale Superieur d’Ulm.

Seine fotografischen Arbeiten haben ihm zahlreiche Preise eingebracht, u. a. war er 2014 Finalist beim Leica Oskar Barnack Award, 2015 beim Magnum Foundation Emergency Fund Award und beim Prix Niépce. 2014 erschien sein Buch Maydan Hundred portraits und 2016 Last water war.

Lhuisset unterrichtet zudem am Institut d’études politiques de Paris zeitgenössische Kunst und Geopolitik.

www.emericlhuisset.com
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