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PORTFOLIO

26.05.2017

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Corentin Fohlen reiste viele Male nach Haiti. Für ihn ist „die Insel eine der reichsten. Nicht an Geld, sondern an Kreativität“, sagt er. Mit seiner Serie Karnaval schuf Corentin Fohlen einen Bilderzyklus, der die farbenfrohe und lebendige Tradition des Karneval, haitianisch, Karnaval, zeigt. Für das Projekt installierte der Fotograf in Jacmel nahe der Festivitäten ein temporäres Studio auf einem Bürgersteig, in dem er die einzigartigen Kostüme aufnahm.

Die Kostüme sind individuell und einzigartig. Darunter ist ein Typ mit einer Schlange. War das ein Zauberer oder ein Voodoo-Priester? Das muss sehr surreal gewesen sein … oder ist es dort normal, Tiere mit sich herum zu tragen?

Der Typ mit der Schlange hat mit ihr gespielt. Wie ein Schlangenbeschwörer, er hat den Kopf der Schlange in den Mund genommen, um mich zu beeindrucken. Im Voodoo verkörpert die Schlange einen Geist, aber in diesem Fall mutete das eher wie ein Tiertrainer in Aktion an, wie im Zirkus. Er wollte die Leute auf der Straße beeindrucken.

Wie haben Sie die Menschen davon überzeugt, sich fotografieren zu lassen? Was waren Ihre Argumente, was haben Sie ihnen gesagt, damit sie mit Ihnen mitkommen?

Ich hatte zwei haitianische Freunde dabei, die mir geholfen haben. Ich habe nur viel geredet, um sie zu überzeugen. Ich versuchte, ihnen zu erklären, dass ich da bin, um eine andere Sicht auf ihr Land zu ermöglichen. Die meisten Fotografen kommen, um die dort herrschende Armut zu zeigen, deshalb hassen die meisten Fotografen. Sie schämen sich, dass Fremde kommen, um das alles zu sehen. Aber meine Arbeit soll eine andere Sicht bieten, eine kulturelle Sicht, die Leute konnten das dann eher akzeptieren.

Worin lagen darüber hinaus die Herausforderungen?

Es ist schwierig, in Haiti auf der Straße zu fotografieren. Die Leute mögen das nicht und fragen nach Geld. Aber ich habe das immer verweigert! Fotografen, die zahlen, sind unprofessionell und pervertieren die Umgehensweise mit Menschen.

Wie viele Leute sind Ihnen durch die Lappen gegangen, weil Sie nicht bezahlt haben?

Ich denke, rund ein Viertel haben verweigert. Nicht gerade wenig. Mir ist wichtig, dass ich den Leuten erkläre, warum es nicht möglich ist mit dem Geld. Es wäre zu teuer und es ist auch gegen meine Haltung.

Was war in dem temporären Studio Ihr bevorzugter Abstand zu den Menschen?

Zwei Meter.

Möchten Sie eine Serie wie diese an einem anderen Ort wiederholen?

Warum nicht? Ich habe das bereits im Oktober 2016 mit Flüchtlingskindern im Libanon gemacht, nach meinem ersten Besuch des Karnaval und vor meinem zweiten Aufenthalt in Jacmel im Februar 2017.

Interview: Carla Susanne Erdmann

Erfahren Sie mehr über Corentin Fohlens Bilder in der LFI 4/2017
© Valerie Baeriswyl

Corentin Fohlen

Geboren 1981 in Quimper, Frankreich. Wollte zunächst Comiczeichner werden, entdeckte dann jedoch die Fotografie. Inzwischen werden seine Reportagen in der New York Times$, im Stern, in Le Monde und der Zeit veröffentlicht.

Fohlen wurde mehrfach ausgezeichnet. Die Bilder seiner Haiti-Aufenthalte verdichtete er zu dem Buch Haïti, im Januar 2017 bei Éditions Light Motiv erschienen.
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