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PORTFOLIO

14.07.2016

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Die Welt in Bildern wiederzugeben ist unmöglich. Ein solches Projekt könnte nie den Anspruch auf Vollständigkeit erfüllen. Aus diesem Grund hat er Ungarische Fotograf und Schriftsteller Attila Bartis sein Projekt Portraying the world, extract genannt. In Kooperation mit der Deák Erika Galéria in Budapest ist in limitierter Auflage ein gleichnamiger Bildband erschienen. 45 poetische Schwarzweiß- und zwei Farbaufnahmen zeigen vieles und lassen doch das meiste im Verborgenen. Ein Gespräch über den Anspruch eines Schriftstellers an die Fotografie.


Ihr Buch trägt den Titel Portraying the world, extract. Dieser Titel kann nur ironisch gemeint sein. Was wollen Sie mit Ihrer Serie zeigen?

Zu einem gewissen Grad ist der Titel in der Tat ironisch, auf der anderen Seite ist er nichts weniger als das. Weder 47 noch 47 Millionen Bilder wären in der Lage, die Welt zu porträtieren, das ist klar. Dennoch ist es das, was die Fotografie zu erreichen versucht: für die Ewigkeit eine Bestandsaufnahme von allem zu machen. Die Fotografie steht nach der Religion an zweiter Stelle, wenn es darum geht, die menschliche Angst vor dem Tod zu manifestieren. Der Titel verweist auf diese Natur der Fotografie und nicht auf die Fähigkeit dieser 47 Aufnahmen, die Welt wirklich porträtieren zu können.


45 der 47 Aufnahmen in Ihrem Buch sind in Schwarzweiß, nur zwei in Farbe. Warum?

Fotografie hat eine doppelte Beschaffenheit: Sie dokumentiert und sie erschafft. Sie konserviert das Licht, das von der Welt reflektiert wird, und das Licht, das aus dem Inneren strahlt. Als Ergebnis kann es keinen singulären Standard geben, wenn man generelle Standards für die Fotografie festlegen möchte. Ich glaube nicht an Dogmen wie „Ein gutes Foto muss immer schwarzweiß sein oder analog oder digital etc.“ Kreativität ist die Suche nach Freiheit. Als kreativer Künstler kann ich nicht an Theorien glauben, die mich einschränken. Es gibt deshalb nur zwei Farbfotografien in dem Buch, weil ich beim Zusammenstellen der Bilder, die verteilt in meinem Studio lagen, nicht nur gefühlt habe, dass diese beiden die Essenz der Schwarzweißfotografien umfassen, sondern auch, dass sie eine ganz eigene Anziehungskraft entwickeln. Für mich gibt es kein authentischeres Argument als ein starkes, instinktives Gefühl während der Arbeit.


Sie sind nicht nur Fotograf, sondern auch Schriftsteller. Gibt es Berührungspunkte?

Die Art, wie Schrift und Fotografie verbunden sind mit einer Handlung, mit dem Sichtbaren, mit dem Unsichtbaren, mit der Vorstellungskraft und mit der objektiven Realität, könnte unterschiedlicher kaum sein. Es gibt keinen Grund, sie zu vergleichen oder zu kontrastieren. Es gibt keinen Grund auf die Unterschiede zu hören, da es keine Gemeinsamkeiten gibt. Für den Schriftsteller ist im Moment der Kreation die externe Realität weitgehend irrelevant. Als Fotograf wiederum kann ich ohne sie nicht existieren. Gleichzeitig gründen aber beide Tätigkeiten in meinen Emotionen, meiner Weltansicht, meinen Gedanken etc. Beides trifft in mir aufeinander, ohne dass ich überhaupt eine Grenze zwischen ihnen erkenne. Und um ehrlich zu sein: Mir ist auch egal, wie diese Grenze aussehen könnte. Was ich erlebe ist, dass ein Text an dem ich arbeite nur authentisch werden kann, wenn ich ihn klar wie ein Bild vor mir sehe. Und ich interessiere mich nur für ein Bild, wenn es ähnliche Emotionen wie ein Text hervorrufen kann. Wenn das nicht passiert, wird ein Bild nie mehr sein als Dokumentation oder Dekoration.

Attila Bartis

Attila Bartis wurde 1968 im rumänischen Marosvásárhely (Siebenbürgen) geboren. In Budapest machte er seine Ausbildung zum Fotografen. 1995 erschien der erste von bisher sechs Romanen, die in über 20 Sprachen übersetzt wurden. Für die LFI-Sonderausgabe 10x10 zum 100-jährigen Bestehen der Kleinbildfotografie schrieb er den Text zu den Aufnahmen der Fotografin Julia Baier, mit der er befreundet ist. Von ihr erhielt er auch die Leica M8, mit der diese Serie entstanden ist. Bartis lebt und arbeitet in Budapest.
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