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11.05.2018

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Wie kommt das Lama auf den Times Square? Das berühmte Bild von Linda, so der Name des Neuweltkamels, stammt aus einer Reportage von Inge Morath (1923–2002) für Life, in der es um hochbezahlte tierische TV-Stars ging. Das Bild mit dem auf dem Rücksitz eines Automobils drapierten Lama, das seinen Kopf neugierig zur Fotografin reckt, sollte eines der berühmtesten Motive der Fotografin werden. So spontan und leicht das Bild auch wirkt, war der Aufnahme doch eine sorgfältige Planung vorausgegangen. Typisch für die Fotografin, die als eines der ersten weiblichen Mitglieder der Agentur Magnum ein noch immer oft unterschätztes Werk hinterlassen hat. Auch in der aktuellen Werkschau der Fotografin im Verborgenen Museum Berlin, das sich insbesondere der Dokumentation der Kunst von Frauen widmet, darf das Lama Linda nicht fehlen.

Eine Begegnung mit dem Dokumentarfotografen Robert Capa im Juli 1949 in Paris stellte die Weichen für das weitere Leben der 26-jährigen österreichischen Journalistin. Damals arbeitete sie als Redakteurin der von der US-Militärregierung herausgegebenen Illustrierten Heute in München. Mit ihrer Aufnahme in die Agentur Magnum begann ihre internationale Karriere als Reise-, Porträt- und Reportagefotografin. Im Januar 1954 sandte Capa Morath für ihre erste Reportage nach Spanien. Ihre ständigen Begleiter: zwei Leica-Kameras, die eine für Schwarzweiß-, die andere für Farbaufnahmen, ein Bildsucher und mehrere Objektive. Über Wochen begleitete sie in Madrid die Anwältin Mercedes Formica privat und geschäftlich, die sich unter dem Franco-Regime erfolgreich für Frauenrechte eingesetzt hat. Viele bis heute bekannte Reportagen sollten folgen: In London entstand unter anderem auch das legendäre Porträt der millionenschweren Mrs. Eveleigh Nash, das in seiner perfekten Komposition das Verhältnis von Herrin und Diener kommentiert. Als Standfotografin dokumentierte sie zusammen mit Henri Cartier-Bresson die Dreharbeiten von Misfits in Reno. Hier lernte sie Arthur Miller kennen, den sie nach seiner Scheidung von Marilyn Monroe 1962 heiratete. Mehrfach reisten sie zusammen in die Sowjetunion, waren in China und Kambodscha und veröffentlichten gemeinsam zahlreiche Bildbände. Eindrücklich zeigen auch diese Aufnahmen, dass Morath eine sensible Dokumentaristin des alltäglichen Lebens ist, eine stille Beobachterin, die fremde Kulturen, Menschen und Orte in „sentimentaler Zärtlichkeit“, so Arthur Miller, porträtiert.

Das Verborgene Museum präsentiert mit seiner Auswahl an Fotografien und Briefen die Intentionen der Fotografin. Daneben entwickeln die Aufnahmen des österreichischen Fotografen und Gründers des Fotohofs Salzburg, Kurt Kaindl, einen anschaulichen Kontext. Kaindl hat das Atelier der Fotografin in Roxbury, Connecticut, fotografiert. Diesen atmosphärischen Bildern ihrer persönlichen Lebenswelt werden ihre Künstlerbildnisse und Reisefotografien, u. a. aus Italien, China, Russland, dem Iran und Spanien, gegenübergestellt. Ebenfalls ist der Dokumentarfilm Copyright by Inge Morath zu sehen, den die Filmemacherin Sabine Eckhard 1991 in enger Zusammenarbeit mit der Fotografin konzipiert und gedreht hat.

Die Ausstellung Inge Morath. Aus einem fotografischen Kosmos läuft noch bis zum 26. August im Verborgenen Museum, Schlüterstraße 70, 10625 Berlin.

www.dasverborgenemuseum.de

Die Publikation Inge MorathFotografien (hg. von Kurt Kaindl), Fotohof Edition, Salzburg 2000, kann im Museum erworben werden.

(Ulrich Rüter)
Lama, Times Square, New York City, 1957 © Magnum Photos / Inge Morath Foundation / Fotohof Archiv
Dona Mercedes Formica auf dem Balkon in der Calle de Recoletos, Madrid, 1955 © Magnum Photos / Inge Morath Foundation / Fotohof Archiv
Mrs. Eveleigh Nash, London, 1953 © Magnum Photos / Inge Morath Foundation / Fotohof Archiv

Inge Morath

INGE MORATH, am 27.05.1923 in Graz geboren. Nach dem Romanistikstudium in Berlin und Bukarest u.a. als Journalistin für Presse und Rundfunk tätig. Erste fotografische Erfahrungen als Bildredakteurin bei Simon Guttmann in London. Durch ihre Bekanntschaft mit Ernst Haas Kontakt zu Robert Capa. 1953 wird sie als zweites weibliches Mitglied (nach Eve Arnold) in die Agentur Magnum aufgenommen. Bereits 1956 erste Einzelausstellung und erste Buchveröffentlichung. Reisen durch Europa, Afrika, den Orient, USA, UdSSR, China, Japan, Thailand und Kambodscha. Regelmäßige Reportagen in internationalen Magazinen. Morath stirbt am 30.01.2002 in New York.

Die Inge Morath Foundation vergibt zusammen mit Magnum seit 2002 jährlich einen Förderpreis an junge Fotografinnen.

www.ingemorath.org
www.magnumphotos.com
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