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PORTFOLIO

25.03.2020

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Die Fotografin Tobi Wilkinson arbeitete neun Jahre lang Seite an Seite mit Gyuto-Mönchen. Das Resultat ist weitaus mehr als nur ein kleiner Ausschnitt ihres Lebens in einem Kloster: In respektvollen, ruhigen und dennoch starken Aufnahmen zeigt ihr Projekt Gyuto eine komplette Lebensphilosophie.

LFI: Wie kam es zu Ihrem Projekt?
Tobi Wilkinson: Mein Mann und ich hatten 2008 die Gelegenheit, den Dalai Lama zu treffen. Während einer seiner Unterweisungen führten Mönche Zeremonien durch. Anschließend arbeitete mein Mann acht Jahre lang mit dem Dalai Lama zusammen und ich war bei einem seiner Besuche in Sydney als offizielle Fotografin tätig. Kurz nach dieser Unterweisung kamen Mönche nach Bondi Beach, um einen zweiwöchigen Workshop abzuhalten. Wir leben in Bondi, und nach dem Workshop waren sie einige Wochen ohne Verpflichtungen, sodass wir ihnen anboten, bei uns unterzukommen. Es war eine magische Zeit, denn in unserem Haus lebten nun sechs Mönche, die jeden Morgen sangen, tibetisches Essen zubereiteten und mit unseren Kindern spielten. Es fühlte sich an, als wäre ein Stück Tibet in unser Haus gekommen.   

Man sagt, dass Mönche im Allgemeinen eher zurückhaltend sind, und doch waren sie sicherlich sehr nahe an ihrem Lebensalltag, um diese persönlichen Bilder aufnehmen zu können. Wie haben Sie es geschafft, mit ihnen in solch engen Kontakt zu treten?
Obwohl sie recht stoisch wirken, sind sie in Wirklichkeit sehr offen. Sie lachen gern und verbringen auch viel Zeit mit Kindern. Auch sind sie daran gewöhnt, fotografiert und berührt zu werden (Tibeter lieben es, Händchen zu halten), und sie posieren bereitwillig für Schnappschüsse. Die Schwierigkeit besteht darin, ihnen über diese erste Ebene hinaus näherzukommen. Es braucht Zeit, um tiefer zu gehen und die Person in der Robe kennenzulernen.

Ich verbrachte viele Monate im Kloster und lebte nach ihrem Zeitplan, damit sie merkten, dass ich nicht einfach nur eine weitere Fotografin war, die eine schlichte Aufnahme von Reihen gebeugter Köpfe machen wollte. Ich wollte alle Details ihrer Zeremonien verstehen, und warum ihre Rituale für sie so wichtig sind. Ich stand jeden Tag um 3 Uhr morgens auf, um bei ihnen zu sitzen, während sie sangen, ich war in ihren Küchen, in ihren Klassenzimmern, ich war bei ihnen, während sie ihre Tormas und religiösen Artefakte herstellten. Kurz gesagt, ich versuchte, in ihre Fußstapfen zu treten und die Welt so zu sehen, wie sie es tun. Das war nicht einfach.

Was hat Sie aus fotografischer Sicht am meisten herausgefordert?
Die Arbeit mit dem Licht war sehr schwierig. Ihre Zeremonien können morgens sehr früh beginnen oder bis spät in den Abend hineingehen. Meistens sind viele verschiedene Lichtquellen im Spiel, was bei Schwarzweiß kein Problem darstellt, aber bei Farbe schon. Eine andere Herausforderung bestand darin, wirkliche Momente der Klarheit zu destillieren. Es ist immer viel los, und die Farben sind reichhaltig, sodass es leicht ist, ein Panorama von 500 rasierten Köpfen in einem Meer von kastanienbraunen Gewändern zu fotografieren. Aber das sagt nichts darüber aus, wer sie wirklich sind.  

Interview: Danilo Rößger
Alle Bilder auf dieser Seite © Tobi Wilkinson
Equipment: Leica M10 mit Apo-Summicron-M 1:2/50 und Apo-Summicron-M 1:2/90
© Ralph Gibson

Tobi Wilkinson

Tobi Wilkinson ist eine in Sydney lebende Fotografin. Im Jahr 2012 schloss sie einen Kurs mit Ralph Gibson ab, der zu einer Reihe von Arbeiten im Bereich der Aktfotografie und einer Ausstellung mit dem Titel Source führte. Seit 2008 beschäftigt sich Wilkinson mit den tibetischen Gyuto-Mönchen, die sie in deren Kloster in Dharamsala, vor Ort in Australien und in ihrem Studio in Surry Hills fotografiert.

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