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06.04.2020

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„Als meine Frau Mariella, eine italienische Staatsbürgerin, am 7. März 2020 nach Mailand reiste, um ihren Vater zu sehen, der seit mehr als einem Jahr gegen Leukämie kämpfte, schien es wie jeder andere Tag. Aber nein – wie sich herausstellte war es der erste Tag in einer der schwierigsten Zeiten unseres Lebens. Während unsere sechsjährige Tochter Sophie und ich hier in unserer derzeitigen Heimatstadt Barcelona blieben, landete Mariella in Mailand, wo ihre Familie sie darüber informierte, dass ihr Vater wegen hohen Fiebers ins Krankenhaus eingeliefert worden war. Das ist etwas Normales für seinen Zustand, aber leider stellte sich heraus, dass es das Coronavirus war. Nach zwei sehr unsicheren Tagen verstarb er. Leider konnten Mariella und ihre Familie aufgrund seines Zustands und der ganzen Covid-19-Krise in seinen letzten Momenten nicht mehr bei ihm sein. Wegen der Einschränkungen in Norditalien – die wenige Stunden nach ihrer Landung begannen – hatte die Familie noch nicht einmal die Möglichkeit, ihm die letzte Ehre zu erweisen und sich in einer Trauerfeier von ihm zu verabschieden.

Sophie und ich konnten in dieser Zeit nicht bei Mariella und ihrer Familie sein, es war einfach zu riskant. Mit Ausnahme meiner Frau, die keinen direkten Kontakt zu Mariellas Vater hatte, waren alle bis zu einem gewissen Grad dem Virus ausgesetzt gewesen. Zu diesem Zeitpunkt waren wir weder in der Lage, zusammen als Familie zu trauern, noch wussten wir, wann Mama nach Hause zurückkehren könnte. Auch wenn es vielleicht als der einfachste Teil dieses ganzen Albtraums erscheint, ist es für mich die schwierigste Zeit meines Lebens geworden. Ich musste meine Tochter unterstützen, die sehr an ihrer Mama hängt und wie jedes andere Kind einfache, konkrete Antworten sucht. In den Tagen danach schloss Italien das ganze Land, und die Flüge zwischen Italien und Spanien wurden bis auf weiteres gestrichen. Anschließend entwickelte auch Mariellas Mutter Pina mögliche Covid-19-Symptome. Sie ins Krankenhaus zu schicken, den einzigen Ort, wo sie getestet werden konnte, galt jedoch als Todesurteil. Jetzt gab es mehr Fragen als je zuvor: Wann kommt Mariella zurück; wird ihre Mutter wieder gesund werden; wird Mariella gesund bleiben?"

(lesen sie rechts weiter)
„Auf der anderen Seite des Mittelmeers erreichte der Lockdown auch Spanien: Sophie ging nicht mehr in die Schule, sodass Dinge, die sie als ‚normal‘ ansieht, nicht mehr möglich waren. Wir sind eine multikulturelle Familie. Ich bin in Argentinien geboren, habe rund 20 Jahre in Los Angeles gelebt, und jetzt sind wir in Barcelona ansässig; wir haben hier also nicht die familiäre Unterstützung, die wir in L.A., Buenos Aires, Neapel oder Mailand gehabt hätten. Ich musste stark sein für Sophie, für Mariella, für mich selbst! Ich musste irgendwie damit umgehen können – und was gibt es Besseres als meine Kamera, um mich in diesen Zeiten bei Verstand zu halten? Das habe ich also getan.

Ich behandle dieses Fotoprojekt als die schwierigste Aufgabe meines Lebens; das hier mache nicht für einen Kunden, sondern für uns, die Familie. Es ist ein persönliches Projekt, in dem all diese seltsamen und erstaunlichen Momente zusammenkommen. Zu meiner Überraschung haben Sophie und ich die stärkste Verbindung aufgebaut, die ich mir je vorstellen konnte. Ich habe sie so gut kennengelernt: ihre erstaunliche Art damit umzugehen, ihre Stärke und Reife – alles!"
„Das ständige Fotografieren hat uns sehr geholfen: Wir haben Spaß, wir verewigen Momente, und am Ende jedes Tages schauen wir uns alles an. Sophie schnappt sich sogar ihre Polaroid-Kamera und macht Aufnahmen für ihr eigenes Album. Was die Familie betrifft, so nähert sich die Situation der Normalität ein wenig an: Mariellas Mutter geht es mittlerweile besser, und so konnte Mariella selbst nach 22 Tagen mit einem Schiff von Genua nach Barcelona kommen, das am Sonntag, dem 29. März, den Hafen erreichte. Aber wir sind noch nicht zusammen. Da Mariella Covid-19 ausgesetzt war, hat sie sich verantwortlicherweise selbst in einer Wohnung von Freunden unter Quarantäne gestellt. Wir haben also noch 14 Tage vor uns. Jetzt sind es sogar nur noch elf! Oder, wie Sophie es aufschreiben würde: √"
„Unterdessen dokumentieren wir diese Zeit weiter, um eine noch stärkere Bindung aufzubauen und Sophie das zu geben, was ich gern als eine ‚Das Leben ist schön‘-Welt bezeichne, frei nach dem wunderbaren italienischen Film gleichen Namens mit Roberto Benigni. Sophie braucht all diese Unsicherheiten, die uns Erwachsene die ganze Zeit umtreiben, nicht. Sie soll einfach nur ein Kind sein, das weiß, dass wir es bedingungslos lieben. Und das, trotz der Distanz, die erstaunlichste Mama aller Zeiten hat.“

Text und alle Bilder auf dieser Seite © Rafa Lanus
Equipment: Leica M (Typ 240) mit Summilux-M 1/1.4 35 Asph und Leica V-Lux 5 (DC Vario-Elmarit 1:2.8–4/9.1–146 Asph)

Rafa Lanus

Rafa Lanus, 43, ist in Buenos Aires geboren und aufgewachsen. Nachdem er 18 Jahre in Los Angeles gelebt hat, wohnt er derzeit in Barcelona. In seiner 20-jährigen Karriere als Fotograf führte er alle Arten redaktioneller Aufträge aus; bevorzugt wird er für NGOs und Hilfsorganisationen tätig.

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