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PORTFOLIO

01.02.2019

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Auf seiner Reise durch Tschetschenien übersetzte der Fotograf Emile Ducke seine Wahrnehmung der gesellschaftlichen Realität des Landes in kraftvolle Bildsprache. Seine scharf beobachtete Serie handelt von Prestigebauten und Prachtpalästen, in denen sich das Individuum unterordnen muss, aber offenbart auch Szenen, in denen der Einzelne Platz hat, um hervorzutreten.

LFI: Tschetschenien ist ein Gebiet, das fotografisch bisher noch nicht übermäßig oft erkundet wurde. Woher kommt Ihr Interesse für diese Region?
Emile Ducke: Meine ersten Assoziationen zu Tschetschenien sind durch die Bilder des zweiten Tschetschenienkrieges geprägt, die damals um die Welt gingen; später durch die Bücher der russischen Journalistin Anna Politkowskaja, die bis zu ihrer Ermordung 2006 über Tschetschenien berichtet hat. Obwohl der Krieg schon länger zurückliegt, kommen von dort auch heute noch verstörende Nachrichten über Entführungen, Folterungen und Verhaftungen durch tschetschenische Sicherheitskräfte. Mich hat interessiert, wie der Alltag in solch einer autoritären Gesellschaft aussieht.

Wie haben Sie ihre Zeit in Tschetschenien erlebt?
Das wiederaufgebaute Grosny habe ich als extrem surreal aufgefasst. Es existiert ein großer Personenkult, der sich um Wladimir Putin und die von ihm installierten Machthaber, den ersten Präsidenten Achmat Kadyrow und seinen Sohn Ramsan, das aktuelle Oberhaupt der Tschetschenischen Republik, dreht. Ramsan Kadyrow, ein ehemaliger Rebell, dessen Familie im zweiten Tschetschenienkrieg auf die Seite Moskaus wechselte, beweist dem Kreml gegenüber große Loyalität mit dem Zelebrieren von Feiertagen wie dem Tag des Sieges, dem Tag Russlands oder Putins Geburtstag.

Wie haben Sie die Auswirkungen der Kriege im Stadtbild Grosnys und der Gesellschaft wahrgenommen?
Das Regime hat hart daran gearbeitet, die Spuren des Krieges aus dem Stadtbild zu entfernen. Nicht nur die Ruinen sind verschwunden, man findet nicht einmal mehr Einschusslöcher oder dergleichen. Auch im offiziellen Narrativ fehlt der Krieg: In den Museen in Grosny kommen die beiden Unabhängigkeitskriege lediglich als Randnotiz vor. Erst in Gesprächen mit Einwohnern wird klar, dass jeder seine eigenen Erinnerungen an dieses düstere Kapitel in sich trägt. In nahezu jeder Familie ist jemand im Krieg umgekommen. Das alte Grosny lebt in den Köpfen vieler Einwohner weiter.

Lesen Sie das gesamte Interview in der LFI 1/2019

Alle Bilder auf dieser Seite: © Emile Ducke
Equipment: Leica M10 mit Summilux-M 1:1.4/35 Asph und Summicron-M 1:2/50
© Tamina-Florentine Zuch

Emile Ducke

1994 in München geboren, begann Emile Ducke 2013 sein Studium der Dokumentarfotografie in Hannover und verbrachte 2016 ein Auslands-semester in Tomsk. Seine fotografische Arbeit setzt sich vor allem mit postsozialistischen Gesellschaften in Osteuropa auseinander. Seit 2017 arbeitet er von Moskau aus an Reportagen, die ihn durch die Taiga, nach Transnistrien und in abgelegene Winkel von Sibirien führten.
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