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28.12.2020

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Sie leben am Rande des Himmels und in der Vergangenheit: Emil Gataullin ging für seine Serie in die russische Provinz und beobachtete den Alltag der Bewohner am Ufer der Mesen. Seit Jahrhunderten scheint sich dort nichts verändert zu haben – eine Reise in verschwunden geglaubte Zeiten.

LFI:Ist Ihre Serie ein Miniaturbild der russischen Gesellschaft?
Emil Gataullin:Ich denke, es ist unmöglich, anhand der Mesen zu beurteilen, wie Russland insgesamt lebt. Diese Region ist ziemlich isoliert und weit entfernt von großen Städten, von Zentren des wirtschaftlichen und kulturellen Lebens. Wahrscheinlich haben die Mesen-Dörfer dadurch ihre Identität und ihre traditionelle Lebensweise bis heute bewahrt. Andererseits ist das Schicksal vieler russischer Dörfer, insbesondere der nördlichen, am Beispiel der Mesen deutlich sichtbar. Mit dem Zusammenbruch der UdSSR wurde die staatliche Unterstützung der Landwirtschaft erheblich gekürzt, die Dörfer begannen allmählich zu sterben, Menschen verloren ihre Arbeit. Diejenigen, die die Möglichkeit hatten, gingen in die Stadt, und diejenigen, die blieben, fühlen sich verlassen. Sie leben in der Zeitlosigkeit zwischen der für immer verlorenen Vergangenheit und der ungewissen Zukunft.

Wie haben Sie sich den Menschen dort genähert?
Auf dem Dorf ist es für einen Fotografen schwierig, unbemerkt zu bleiben. Für die Einheimischen ist er ein Fremder. Deshalb ist es wichtig, mit ihnen in Kontakt zu kommen, sie dazu zu bringen, einen zu mögen. In den Mesen-Dörfern war das relativ einfach, die Menschen hier sind offen und gastfreundlich, sie haben mich eingeladen, mir Essen gegeben und mich bei sich übernachten lassen. Beim Fotografieren habe ich dort neue nützliche Erfahrungen gesammelt: Statt bloß stiller Beobachter zu sein, interagierte ich aktiv mit denen, die ich fotografierte. So entstand ein Dialog, bei dem beide Seiten – der Fotograf und sein Protagonist – an der Entstehung des Fotos beteiligt waren.

Was war Ihr fotografischer Ansatz?
Ich interessiere mich in erster Linie für das Leben der einfachen Menschen, ihre Beziehung zueinander und zu dem Ort, an dem sie leben. Gleichzeitig forsche ich nicht über soziale Phänomene, sondern beobachte das Leben und halte meine Beobachtungen fest. Ich weiß nie, wo ich ein interessantes Motiv für ein Foto finde: Ich habe keinen vorgefassten Plan, ich habe kein bestimmtes Bild, das ich finden möchte. Für mich ist die Fotografie eine Suche. Eine Suche nach Momenten, die den Sinn und die Schönheit des Alltagslebens offenbaren.

Welche Rolle spielt das Projekt in Ihrer gesamten Arbeit?
Mezen: By Sky's Edge ist eine Fortsetzung der Thematik „Russische Provinz“, an der ich seit Anfang der 2000er-Jahre arbeite. Und es ist eines meiner ersten Farbprojekte. 15 Jahre lang habe ich nur in Schwarzweiß fotografiert, aber mit der Zeit hatte ich das Gefühl, dass mein Ansatz zu konservativ war, dass ich alte Techniken benutzte und nur noch Dinge wiederholte. Neue Fotos waren immer weniger befriedigend. 2016 begann ich in Farbe zu fotografieren, das war die Lösung, um eine neue Motivation zu finden, die Welt aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.

Trotz Farbe machen Ihre Bilder beim Betrachten wehmütig …
Es muss die Traurigkeit des Verblassens sein, des Abschieds von der Vergangenheit. Ich bin melancholisch, und ich spüre gerne die Resonanz meines inneren Zustands mit der mich umgebenden, von Traurigkeit erfüllten Realität.

Alle Bilder auf dieser Seite: © Emil Gataullin
Ausrüstung: Leica Q, Summilux 1:1.7/28 Asph


Lesen Sie die gesamte Geschichte im aktuellen
LFI Magazin.
© Renat Gataulin

Emil Gataullin

...wurde 1972 in Russland geboren und lebt in Moskau. Vor seinem Studium der Fotografie schloss er ein Kunststudium ab. Seine fotografischen Arbeiten werden in namhaften Magazinen und Online-Medien wie GEO, The New York Times oder Ogonek veröffentlicht. In seinem Buch „Towards the Horizon“ von 2016 versammelte er poetische Aufnahmen aus russischen Dörfern. Die Reisen an die Mesen wird er in Zukunft weiter verfolgen, genauso wie sein Langzeitprojekt über Kolyma, wo sich in den 30er-50er Jahren die brutalsten Lager des Gulag befanden.

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