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BUCHTIPP

10.09.2019

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Vor dem Bild steht die Schrift. Dabei haben wir uns längst an die Dominanz der Bilder gewöhnt, die von einem nachgeordneten Text oder nur von einer Bildunterschrift begleitet werden. In ihrem jüngsten Buch, dessen französische Ausgabe Parce que… bereits im letzten Jahr erschien, hat die französische Künstlerin dieses Bild-Text-Verhältnis umgekehrt. Jeweils auf den linken Seiten erklärt ein Text, warum Calle auf den Auslöser gedrückt hat, doch auf der rechten Seite befindet sich kein Bild, sondern der Betrachter muss sich die Mühe machen, aus der japanischen Bindung eine lose Fotografie herauszuziehen.

Was zunächst wie eine Spielerei anmutet, ist eine subtile Reflexion über den Umgang mit Bildern und die Rezeption von Fotografien. Wie immer bei den Projekten der renommierten Künstlerin, die seit über 40 Jahren in ihrer Arbeit eine unverwechselbare Kombination aus Erzählungen, Fotografien, Performance und Video präsentiert, ist auch dieses Buchprojekt bis ins letzte Detail gestaltet. Bordeauxrot und golden schimmernd kommt das handliche Buch daher; schlägt man es auf, ist man über das vermeintliche Fehlen der Bilder erst einmal erstaunt. Umso kostbarer und beachtenswerter werden dann die einzelnen Fotografien, sobald man sie aus den Seitenlaschen gezogen hat. Doch auch das Zusammenspiel von Text und Bild erklärt nichts. Es bleiben assoziative, subjektive Gedanken und Ideen der Künstlerin, die auch in diesem Projekt die Grenzen zwischen Fiktion und Realität, Intimität und Öffentlichkeit und Objekt und Reproduktion kunstvoll verwischen.

Die Idee für die Serie präsentierte Calle bereits in Ausstellungen (so zuletzt auch in der Ausstellung Un certain regard im Fotomuseum Winterthur). Hier waren gerahmte Fotografien von bestickten Vorhängen bedeckt, die jeweils den Text zum dahinter verborgenen Bild lieferten. Der Satzbeginn lautet jeweils „Because…“ (oder im französischen Original „Parce que…“) und erklärt den Grund, warum das Bild existiert oder die Künstlerin diesen bestimmten Ort oder Zeitpunkt für die Aufnahme ausgewählt hat. Es sind kleine Erinnerungsstücke und persönliche Momente aus dem Leben der Künstlerin, die im Zusammenspiel von Text und Bild aufscheinen. Wieder einmal lässt sie den Betrachter zum Voyeur oder Komplizen werden, der vermeintlich Einblick in die Privatsphäre der Künstlerin erhält. Die nun gewählte aufwendige Buchform ist dafür eine wunderbare Verpackung. (Ulrich Rüter)

72 Seiten, 32 Fotografien. Japanische Bindung
17 x 24 cm, englische Ausgabe, Éditions Xavier Barral

Sophie Calle

Sophie Calle, geboren 1953, ist eine der einflussreichsten Konzeptkünstlerinnen der Gegenwart. Mit den Mitteln von Fotografie, Installation, Text und Film konstruiert sie Geschichten, die assoziativ zwischen Realität und Erfindung pendeln. Ihre Arbeiten wurden international ausgestellt und gewürdigt. 2010 wurde sie mit dem hochdotierten Hasselblad Foundation Award ausgezeichnet. Sie lebt in Malakoff bei Paris und in New York.

Éditions Xavier Barral
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