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BUCHTIPP

07.02.2020

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„Schwarzer Fluss“, „Großer Fluss“ oder auch „Fluss des Schwarzen Drachen“: der Amur hat viele Namen in Russland und China. Über 2.824 Kilometer misst der Strom, der diese beiden Länder trennt und am Ende seines Verlaufs in den nördlichen Pazifik mündet. In der französischen Sprache ist seine Bezeichnung noch poetischer: Amour. Das Wortspiel verpflichtet und tatsächlich hat sich die französische Fotografin Claudine Doury gleich in den ganzen Fluss verliebt. Daher erscheint ihr neuer Bildband auch wie eine große Liebeserklärung an die Region und die Menschen, deren Leben vom Amur bestimmt ist.

Seit fast dreißig Jahren bereist die Fotografin mit ihrer Leica M6 die sibirische Region. Bereits mit ihren ersten Aufnahmen war die Fotografin erfolgreich: 1999 erhielt sie den Leica Oskar Barnack Award für ihre Serie „Die letzten Nomaden Sibiriens“. Während ihrer frühen Erkundungen der Region standen die Kultur und die Traditionen der Nomadenvölker im Mittelpunkt, doch Doury entschied sich früh, keine klassische Dokumentation zu erarbeiten, sondern vermittelte das alltägliche Leben in dieser äußerst unwirtlichen Landschaft in frei gestalteten Aufnahmen. Einige dieser ersten Motive tauchen auch in dem neuen Buch auf; sie bilden nicht nur eine generationsübergreifende Verbindung zu den heutigen Bewohnern, die von Doury vor zwei Jahren fotografiert wurden, sondern sind auch für das Werk der Fotografin bedeutend. So versteht sie ihr neues Buch als „das Ende eines Zyklus“, denn sie war in einer entscheidenden persönlichen Umbruchsituation, als sie sich damals für ihre erste Reise nach Russland entschied: sie hatte kurz zuvor ihren Karriere als Bildredakteurin aufgegeben und die eigene Fotografie in den Mittelpunkt ihres Lebens gestellt. „Es war eine perfekte Zeit für mich, diese Grenzregion zu besuchen. Es war wie eine Reise zu einem anderen Planeten.“

Die Aufnahmen von 1991 und 1997 werden in dem Bildband durch aktuelle Aufnahmen, die 2018 entstanden zusammengebracht. Nicht in chronologischer Weise, sondern in freier Zusammenstellung, die auch auf Beschriftungen oder erläuternde Texte verzichtet. „Ich wollte aus Gründen der Introspektion zurückkehren, aber auch, um die gleichen Leute zu finden und sehen, was sich dort verändert hat,“ so Doury. In den aktuellen Aufnahmen spielt auch der Einsatz der Farbe eine große Rolle, doch die Farbe stellt keinen Kontrast zu den früheren schwarzweißen Aufnahmen dar, sondern fügt eher eine neue poetische Ebene hinzu. In sanften Farben, oft geheimnisvollen Motiven zeigt sich Fotografin wieder als sensible Erzählerin und genaue Beobachterin. Erinnerung und Transformation sind dabei durchgängige Themen. Die feine Buchgestaltung korrespondiert perfekt zu der Bilderfolge, die durch wenige historische Archivbilder ergänzt wird. Der Bildband ist mehr als eine Liebeserklärung, er zeigt vielmehr das Ankommen, die Nähe und Geborgenheit der Fotografin in einer zunächst fremden Welt, die im Laufe der Jahre ein unverzichtbarer Teil ihres Lebens geworden ist. (Ulrich Rüter)

Claudine Doury: Amour
104 Seiten, 70 Farb- und Schwarzweiß-Abb., 19,0 x 25,0 cm
Französisch/Englisch, Chose Commune

Alle Bilder auf dieser Seite: © Cloudine Doury
Le Papillon bleu, Nergen, 2018
Les Grandes Eaux, Khabarovsk, 2018
Cristina, Nergen,1997
Le Meteor, Komsomolsk-sur-l'Amour, 2018
Le Tambour oultche, Boulava, 1997
© Claudine Doury, Courtesy In Camera / Chose Commune

Claudine Doury

Claudine Doury wurde 1959 in Blois, nahe Orleáns geboren. Nach einem Journalistik-Studium arbeitete sie zunächst als Bildredakteurin bevor sie sich ganz der eigenen Fotografie widmete. Für ihr Werk wurde sie mehrfach ausgezeichnet, nicht nur mit dem Leica Oskar Barnack Award, sondern u.a. mit einem World Press Photo Award (2000) und dem Prix Niépce (2004). Seit 1991 ist sie Mitglied der Agentur VU, sie wird von der Galerie In Camera in Paris vertreten. Ihrer ersten Publikation „Peuples de Sibérie“ (1999) folgten zahlreiche weitere Bildbände. Sie lebt und arbeitet in Paris.

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