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BUCHTIPP

27.02.2018

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Der Trend in Zeiten wachsender Bilderberge, den Betrachter mit ungewöhnlichen und besonders aufwendig gestalteten Bildbänden zurück zum eigentlichen Sehen zu führen, hält unvermindert an. Der erste Blick auf den neuen Bildband von Thomas Bergner (*1985) gilt dem Cover. In dunkelgraues Leinen sind Fotografenname und Buchtitel geprägt, ergänzt durch ein hochformatiges Bild. Und hier stockt der Aneignungsprozess des Buches erstmals: der Betrachter muss genau hinsehen, was sich auf dem dunklen Bild abzeichnet. Eine Nachtaufnahme? Trockenes Gras, von einem Scheinwerfer beleuchtet? Eine Raumtiefe ist kaum auszumachen.

Schlägt der Interessierte jetzt das Buch auf, so wird er zunächst mit zwei komplexen Essays konfrontiert, wobei Schrifttyp und Satz an Klassiker der Fotobuchgeschichte erinnern. Ein klassischer Tafelband muss Pate gestanden haben. Text und Bild sind säuberlich getrennt, selbst auf Bildunterschriften und Seitenzahlen wird im Bildteil verzichtet. Doch die Irritation geht noch weiter: Mit bis zu sieben Leerseiten wird der Bilderfluss immer wieder unterbrochen – allein das Blättern erfordert Aufmerksamkeit.

Und die Motive? Dunkel. Sehr dunkel. Manchmal nebelverhangen, oft geheimnisvoll. Das Erkennen wird dem Betrachter nicht leicht gemacht. Geht es doch auch absichtsvoll um die Darstellung von Licht. Der Begriff „Lichtbildnerei“ kann bemüht werden. Intensiv setzt sich der Fotograf mit der Dämmerung auseinander, belichtet seinen analogen Film über viele Stunden. Dieses Einschreiben der Zeit soll sich dann beim Betrachten der Bilder wieder entfalten. „Ich möchte erreichen, dass sich der Betrachter für jedes einzelne Bild Zeit nimmt, es analysiert, darüber nachdenkt und vielleicht seine eigene Geschichte einbringt“, so der Fotograf. Lässt man sich als Betrachter erst einmal darauf ein, entsteht ein spannendes Zwiegespräch mit dem Bildband. Und wer dann noch den philosophischen oder spirituellen Überbau braucht, kann sich über den japanischen Begriff des Kami informieren, hier hilft dann wieder der Text: Ehrfurcht, Freude, Faszination, Verwunderung, Angst oder andere Gefühle können als Kami angesehen werden.

In einer Online-Rezension können die Bilder nur ungefähr den Eindruck wiedergeben, der im gedruckten Buch erzielt wird. Hier sind Fotograf und Verlag an die Grenzen des Darstellbaren gegangen. Doch das Ergebnis überzeugt in seiner Konsequenz der formalen Überraschung. Die Zeit dafür muss man sich allerdings erst einmal nehmen! (Ulrich Rüter)
© Thomas Bergner
© Thomas Bergner
© Thomas Bergner
© Thomas Bergner
Thomas Bergner: Internalized Kami

Thomas Bergner

Thomas Bergner wurde 1985 in Plauen geboren. Nach verschiedenen Klassen an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg erhielt er den Absolventenpreis und begann anschließend einen Lehrauftrag. Seine Arbeiten zeigen eine Vielzahl von Orten zwischen Himmel und Erde, oftmals nach Einbruch der Dämmerung oder in der Dunkelheit.
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