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BUCHTIPP

27.12.2017

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Das Buch ist eine Einladung in eine rätselhafte Welt: Schon das Cover zeigt ein feinmaschiges Netz inmitten eines Waldes, das den dunklen Waldraum diagonal durchtrennt. Verbirgt sich hinter dem Netz bereits das Titel gebende verborgene Königreich? Diese Frage bleibt unbeantwortet, denn eine detaillierte Bilderklärung oder gar einen Text wird man vergeblich suchen, da der großformatige Bildband ganz auf die Wirkung der Motive setzt. Immerhin verrät der schwedische Fotograf (*1976) am Ende des Buches dann doch etwas über die Auswahl: „Die Serie besteht aus Bildern von Touren durch europäische Landschaften in den Jahren 2006 bis 2016. Sehr oft erlebte ich dabei Momente, die weder am Anfang noch am Ende von etwas lagen und mir noch nicht einmal einen Einblick erlaubten. Vielmehr befand ich mich mitten in etwas. Und das war immer das Wichtigste.“ Das Ergebnis des fotografischen Langzeitprojekts zeigt nun dieser Bildband auf 42 Bildtafeln, die ganz klassisch jeweils auf einer rechten Seite präsentiert werden. Der Betrachter erhält Einblick in den künstlerischen Kosmos des Autors und unternimmt eine Reise zu den eigentümlichsten Situationen und Begegnungen, die der Fotograf unterwegs entdeckte. Dabei scheint Stefan Bladh mit einem ganz speziellen visuellen Radar ausgestattet zu sein, um Momente voller absurder Situationskomik, surrealer Merkwürdigkeiten oder schwermütiger Alltagstristesse zu finden. Ob Schiffswrack in einem Fluss in der Ukraine, Feuerwerk an der Moldau, in Plastik gehüllte Bäume an der Moskauer Kremlmauer oder ein Löwe im Kofferraum eines Autos in Dagestan: die auf den Bildern präsentierten Situationen erklären sich nicht, sondern müssen vom Betrachter selbst gedeutet werden. Ohne Frage könnte der Fotograf sehr eindrücklich von seinen Erlebnissen berichten, doch reduziert er eine genaue Verortung auf ein Minimum: „Ich wollte nur einen kleinen ‚Schlüssel˙ am Ende des Buches geben, nur eine Art Hinweis und Richtung vorgeben, um den Bildern selbst zu vertrauen.“ In der Tat verleiten die Bilder in ihrer eigentümlichen mattfarbigen Gedecktheit den Betrachter immer wieder zu fiktiven Geschichten und Interpretationen. Die vermeintliche Realität ist eben manchmal deutlich fantastischer, als ein erster Blick es vermuten lässt. Das eigentliche „Hidden Kingdom“ liegt am Ende in der Imagination des Betrachters. Ulrich Rüter


Stefan Bladh: Hidden Kingdom.
80 Seiten, 38 Farbabb., Englisch, 36,4 x 28,8 cm, Kerber Verlag
www.kerberverlag.com
Stefan Bladh: Hidden Kingdom

Stefan Bladh

Stefan Bladh wurde 1976 in Örebro, Schweden geboren und lebt in Stockholm. Sein Werk ist bestimmt vom Wechsel  zwischen dokumentarischen und konzeptuellen Projekten. Der aktuelle Bildband entstand in den letzten zehn Jahren vornehmlich auf Reisen durch Osteuropa. Einen ersten Einblick in die Serie zeigte LFI bereits vor fünf Jahren (LFI 6/2012) unter dem Titel „Stasis“. Knapp drei Viertel der Motive fotografierte Bladh mit seiner Leica M6 und der Brennweite 28 mm. Neuerdings arbeitet er auch mit einer M10.

www.stefanbladh.com
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