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BUCHTIPP

21.08.2015

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Natürlich Tulpen! Das mag man zunächst denken, handelt es sich doch um die Publikation eines holländischen Pflanzenfotografen. Und doch sind diese ungewöhnlichen Aufnahmen eine besondere Entdeckung. Leendert Blok (1895–1986) experimentierte mit frühen farbfotografischen Verfahren und formatfüllenden Nahaufnahmen von Blüten. Im niederländischen Lisse begann er vor fast einhundert Jahren, besondere Züchtungen der dort ansässigen Gartenbaubetriebe zu dokumentieren. Und bei den floralen Schönheiten handelt es sich keineswegs nur um Tulpen, sondern auch Narzissen, Dahlien, Hyazinthen, Iris, Gladiolen und andere Blumen standen Modell vor der Kamera. So wird Bloks Serie auch zu einer Leistungsschau der damaligen Züchter, die immer neue Sorten und spezialisierte Formen entwickelten und die Vielfalt der Natur noch einmal um besonders prächtige Züchtungen erweiterten.

Ganz sicher waren Blok die Pflanzenstudien des deutschen Fotografen Karl Blossfeldt (1865–1932) bekannt, der bereits um 1900 mit der fotografischen Dokumentation von Pflanzen für Studienzwecke begonnen hatte und dann in den 1920er-Jahren als Vertreter eines neusachlichen Fotostils gefeiert wurde. Ähnlich dem Werk Blossfeldts erscheint auch bei Blok jede Blüte perfekt ausgeleuchtet und entwickelt in ihrer Freistellung vor neutralem Fond eine individuelle skulpturale Größe. Doch Bloks Aufnahmen im Autochromverfahren, das die Gebrüder Lumiere 1907 in Paris vorgestellt hatten, erweitern durch den Einsatz von Farbe das Genre wesentlich.

Der Bildband erweist Blok als Pionier der Farbfotografie in den Niederlanden der 1920er-Jahre. Erste fotografische Erfahrungen sammelte er bei seinem Onkel, einem begeisterten Amateurfotografen. Blok studierte zunächst Journalismus im südafrikanischen Pretoria, bevor er in seiner Geburtstadt Lisse sein Studio „Foto Technischbureau“ eröffnete. Seine Hauptkunden waren Gartenbaubetriebe und Blumenzwiebelzüchter aus den Nachbarregionen Haarlem und Sassenheim, für die er Abbildungen für Verkaufskataloge lieferte. Hierfür entwickelte er seine eigenen verfeinerten Methoden der Farbfotografie. Lange Zeit war das Archiv Bloks vergessen, es wurde erst durch den niederländischen Fotografiehistoriker Frido Troost (1960–2013) wiederentdeckt und befindet sich heute in der Stichting Spaarnestad Photo in Den Haag. Nach der französischen Erstveröffentlichung im letzten Jahr (Leendert Blok: Les extravagantes, Photographs bei Editions 
Xavier Barral)
 hat nun der Hatje Cantz Verlag auch eine englische und deutsche Fassung publiziert. Ohne Zweifel nicht nur für Blumenfreunde und Fotografieliebhaber ein bibliophiles Sammlerstück!
Ulrich Rüter

Leendert Blok
:
Silent Beauties. Fotografien aus den 1920er-Jahren
Hatje Cantz, 2015.
176 Seiten
80 Abbildungen
19,8 x 26,5 cm

www.hatjecantz.de
Blok ist kein Botaniker, der den Wuchs oder die gesamte Pflanze im vegetativen System zeigen möchte, sondern ein Porträtist, der jede einzelne Blüte als Individuum präsentiert oder in Gruppen komponiert
Die Aufnahmen des niederländischen Fotografen sollten zwar auch für Kataloge verwendet werden, doch im Laufe der Zeit entstand ein Pflanzenkompendium, das in seiner Einmaligkeit bis heute fasziniert
Bloks Aufnahmen schwelgen in subtilen Farbtönen, sensiblen Stimmungen und zarten Nuancen, die im vorliegenden Band durch den perfekten Druck auf mattem Papier bestmögliche Geltung erzielen
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