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BUCHTIPP

11.12.2020

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Es sind bewegende Geschichten, die dieser Bildband zusammenträgt. Elf Einzelschicksale beleuchten erschreckende Biografien aus dem Kriegsalltag, Berichte von Flucht und Vertreibung, aber zugleich auch Botschaften der Hoffnung. In dem Report Krieg gegen Kinder, den die NGO Save the Children zeitgleich mit dem Buch Ich lebe veröffentlicht hat, findet sich die erschreckende Zahl von aktuell 426 Millionen Kindern, die in Konfliktgebieten aufwachsen, mehr als je zuvor seit Beginn der Aufzeichnungen. Auch die Protagonisten aus dem Buch durchlitten die gleiche erschütternde Not wie Abermillionen Kinder heute. Der Bogen der Biografien spannt sich von dem heute 107-jährigen Erich Karl bis hin zu dem mitten im Rohingya-Konflikt geborenen Mädchen Rajiya.

Konzipiert und auf den Weg gebracht wurde das ungewöhnliche Buchprojekt von Martina Dase, Kommunikationsdirektorin der Deutschen Sektion von Save the Children: „Unser Buch ist eine Einladung an die Leser, sich in unserer bildergesättigten Zeit auf neue Weise mit einem äußerst kriegerischen Jahrhundert auseinanderzusetzen – nicht didaktisch, sondern cinematografisch, multiperspektivisch, assoziativ“, so Dase: „Wir porträtieren die Überlebenden nicht als Opfer, sondern so, wie sie sich selbst sehen. Mit einer bewundernswerten Stärke. Und mit einem Recht auf Schönheit.“

Die Porträts der Zeitzeuginnen und Zeitzeugen hat der Schweizer Fotograf Dominic Nahr während der letzten drei Jahre auf vielen Reisen zusammengetragen. Indem er die Porträts und Reportagen, aktuelles und historisches Material, Farbe und Schwarzweiß, analoge und digitale Aufnahmen so verwebt, dass Orte und Zeiten verschmelzen, gelingt es ihm eindrücklich, den universellen Charakter der Kriegserfahrungen hervorzuheben. „Wenn wir über Kinder im Krieg sprechen, denken wir an die Konfliktherde der heutigen Zeit, an Syrien oder den Jemen“, so Nahr, „aber wir wollten tiefer gehen, in die Vergangenheit reisen und Menschen finden, die all den Horror, den Kinder heutzutage erleben, bereits hinter sich haben. Was haben diese Erfahrungen mit ihnen gemacht? Das wollten wir herausfinden.“ Zusammen mit Essays und persönlichen Beiträgen zahlreicher prominenter Gastautorinnen und -autoren, darunter Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller, die Violinistin Anne-Sophie Mutter, der ehemalige UN-Generalsekretär Ban Ki-moon und der britische Kriegsreporter Jon Swain, fügen sich die Bilder zu einer eindringlichen Gesamtkomposition zusammen.

Eine weitere Besonderheit des Buchs ist neben dem weitreichenden konzeptionellen Ansatz seine außergewöhnliche Gestaltung. Allen Porträtierten ist eine eigene Farbe zugeordnet und so blättert der Betrachter im wörtlichen Sinn durch eine bunte, facettenreiche „Menschheitschronik“, in der es immer neue Bezüge zu entdecken gibt. Der Bildband verbindet in gelungener Weise die Schicksale der Überlebenden prägender Kriege der letzten 100 Jahre. So unterschiedlich ihre Geschichten auch sind, hat jeder und jede Einzelne einen Weg gefunden, mit Trauer, Trauma oder Heimatverlust umzugehen. Zugleich ist das Buch aber auch eine so offene wie eindringliche Aufforderung, sich weiter für die Veränderung der Lebensbedingungen der aktuell bedrohten Kinder auf der ganzen Welt einzusetzen. (Ulrich Rüter)


Ich lebe. Wie Kinder Kriege überstehen. Ein Jahrhundertporträt. 100 Jahre Save the Children
Gesamtkonzept: Martina Dase, Fotografie: Dominic Nahr, Essays: Bertram Job
Nach Interviews und Reportagen von Anna Mayumi Kerber
Gastautoren: Mayte Carrasco, Amir Hassan Cheheltan, Ban Ki-moon, Marcel Mettelsiefen, Gerd Müller, Anne-Sophie Mutter, Wole Soyinka, Jon Swain, Ulrike C. Tscharre, Margrethe Vestager, Anne Watts, Ingo Zamperoni

324 Seiten, 102 Farb- und 60 Schwarzweißabbildungen, 22 × 26,5 cm, deutsche und englische Ausgabe

Kerber
Amal (Name geändert), 11 Jahre alt, aus Syrien. Nach der Flucht aus Homs lebt die Familie im Libanon. © Dominic Nahr
José David Ríos, 17 Jahre alt, Überlebender des bewaffneten Konflikts in Kolumbien (1964 - 2016). © Dominic Nahr
Blick auf Guapi, Kolumbien © Dominic Nahr
Rajiya (Name geändert), 15 Tage alt, geboren im Rohingya-Flüchtlingslager in Bangladesch © Dominic Nahr
Das Flüchtlingslager Kutupalong bei Cox’s Bazar, Bangladesch © Dominic Nahr
Erich Karl, 105 Jahre, Überlebender des I. Weltkriegs (1914 - 1918) © Dominic Nahr
Maria Consuelo Beltran, 91 Jahre alt, Überlebende des Spanischen Bürgerkriegs (1936 - 1939). © Dominic Nahr
Vögel in Wolmi-do, Incheon, Südkorea. © Dominic Nahr
Mawla Jan Nazari, 54 Jahre alt, Überlebender der sowjetischen Intervention in Afghanistan (1979 - 1989) © Dominic Nahr
Der Naghlu-Stausee im District Surobi, Afghanistan. Ursprünglich stand hier das Heimatdorf von Mawla Jan Nazari. © Dominic Nahr

Save the Children

Im Nachkriegsjahr 1919 gründete die britische Sozialreformerin Eglantyne Jebb Save the Children, damals um Kinder in Deutschland und Österreich vor dem Hungertod zu retten. Heute ist die inzwischen größte unabhängige Kinderrechtsorganisation der Welt in über 110 Ländern tätig. Save the Children setzt sich für eine Welt ein, die die Rechte der Kinder achtet – gerade auch in Kriegen, Konflikten und Katastrophen.

Spendenkonto: Bank für Sozialwirtschaft
IBAN: DE92 1002 0500 0003 2929 12
BIC: BFSWDE33BER

Stichwort: Ich lebe
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