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PORTFOLIO

08.01.2019

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Für ihr Projekt Changing Landscape reiste die italienische Fotografin Barbara Rossi entlang der Küstenlinie des Roten Meeres von Suez bis zur Grenze vom Sudan, um den Eingriff des Menschen in die Natur zu dokumentieren. Das Ergebnis zeigt eine surreal anmutende Zusammenstellung endloser Landschaften und Baustellen mitten im Nirgendwo. Im Interview sprach Barbara Rossi mit uns über vergangene Kulturen, den menschlichen Einklang mit der Natur und Stahlskelette im Nirgendwo zwischen Wüste und Nil.

LFI: Wie kam es zu Ihrem Projekt Changing Landscape und wie hat es sich im Laufe der Zeit entwickelt?
Barbara Rossi: Erstmals war ich im Jahr 2015 in Ägypten, während ich ein verlassenes Gebiet untersuchte. Zu dieser Zeit planten italienische Architekten den Bau einer neuen Stadt in der Wüste; ich interessierte mich sofort für dieses Phänomen, das sich bereits entlang der gesamten Küste des Roten Meeres ausbreitete.

Als ich ankam, war ich von der Schönheit dieses Landes sofort beeindruckt. Auf der einen Seite gab es Zeugnisse vergangener Zivilisationen zu sehen, auf der anderen Seite war da die Wüste mit ihren ganz eigenen Regeln und der endlosen Weite. Was meine Phantasie am meisten beflügelte, war jedoch die Tatsache, dass diese neue Stadt entlang einer alten römischen Straße errichtet werden sollte. In Ägypten hatte die Architektur schon immer eine ideologische Qualität.

Geographie nimmt in meiner Phantasie einen besonderen Platz ein: Atlanten und Karten erlauben es mir immer wieder, bestimmte Gegenden und Routen kulturell zu erforschen. Als ich in Ägypten war, kamen all diese Vorzüge zusammen, sodass ich für mein Projekt bis zum August 2018 mehrere Reisen in dieses schöne Land unternahm.

Was genau wird entlang der Küste des Roten Meeres gebaut?
Seit den 90er Jahren wird Geld in die Produktion privater Städte und Wirtschaftszonen in Ägypten gesteckt, um den Herausforderungen des Bevölkerungswachstums entgegenzuwirken und die wirtschaftliche Entwicklung voranzutreiben. Das ist jedoch ein kostspieliges Unterfangen, da die gesamte Infrastruktur von Grund auf neu geschaffen werden muss. In einigen Fällen scheitern solche Vorhaben jedoch, da keine Rücksicht auf die Anforderungen des Marktes gelegt wird. Deshalb findet man entlang der Küste oftmals Skelette von Gebäuden, deren Bau abrupt unterbrochen wurde.

Dennoch sind diese Bemühungen nach wie vor aktuell: Plakate, die ein neues Leben versprechen, prägen derzeit die Straßenränder der Ringstraßen von Kairo. Sie versprechen 360-Grad-Grünanlagen, großzügige Freiflächen und Raum zum Atmen.

Warum haben sich die Menschen dafür entschieden, Gebäude und Städte in solch trostlosen Gebieten wie der Wüste zu errichten?
Für die meisten Menschen sind Wüsten nur Regionen, die sie durchqueren müssen, Orte mit Transitrouten, die sowohl politisch als auch ökologisch verhandelt werden müssen. Wir dürfen jedoch nicht vergessen, dass Ägypten überwiegend aus Wüste besteht und dass die Architektur in den afrikanischen Ländern schon immer in gewisser Abhängigkeit zur Landschaft stand. Heute baut die Regierung selbst eine neue Hauptstadt in der Wüste, um sich den Herausforderungen der Überbevölkerung in Kairo zu stellen.

Die alten Ägypter teilten ihr Land in zwei Gebiete auf: das rote Land war die Wüste, und das schwarze Land das fruchtbare Niltal.
Ich bereiste das Land zwischendrin, besser bekannt als die arabische Wüste, östlich des Niltals. Sie erstreckt sich bis zum Roten Meer und ist genauso trocken wie der Westen, bietet aber schöne Berge. Hier, zwischen der Küstenstraße nach Israel und dem Roten Meer mit seinen Korallenriffen wurden zahlreiche Resorts gebaut, die sich mit der Zeit zu Kurorten und eigenen Städten weiterentwickelt haben. Zunächst noch von Mitarbeitern der Resorts besiedelt, entstanden schon bald Gemeinschaften von Touristen, Rentnern und Menschen, die einfach nur in der Nähe des Meeres wohnen wollten. Manche dieser Projekte verliefen jedoch nicht erfolgreich, sodass der Bau unterbrochen wurde. Die Stahlskelette sind alles, was davon übrig blieb...Irgendwann wird sich die Wüste jedoch wieder ihren Platz zurückholen.

Wo haben Sie Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen der Kultur- und der Naturlandschaft gefunden, die Sie erkundet haben?
Meine fotografische Recherche basiert auf den Versprechungen einer Verbindung zwischen Mensch, Ort und Zeit. Mit Changing Landscape wollte ich mich speziell auf die Gleichzeitigkeit von der Natur – also der scheinbar unberechenbaren Wüste – und der bebauten Gebiete, mit all dem Chaos und der Unfertigkeit, konzentrieren. Was ich fand, war eine Art Gleichgewicht zwischen diesen beiden Welten, eine höhere Ordnung...etwas, was die alten Ägypter Maat nannten.

Im alten Ägypten sagte man sich, dass das Streben nach Macht und Stabilität von einem sich ständig verändernden Universum ausginge, man ging von einer Welt aus, in der Naturereignisse die Landschaft verändern und Leben der Bewohner nachhaltig beeinflussen. Die Hügel und die Routen entlang der Wüste sind immer anders, immer unkontrollierbar – sie galten deshalb als Orte, an denen der einfache Mensch einen Blick auf das Göttliche erhaschen konnte. In dieser Umgebung war die Architektur ein Medium, um das weltliche mit dem Universum und den Göttern, die es regierten, zu verbinden.

Das moderne Ägypten wird indes von einer anderen Logik beherrscht und mit Changing Landscape ziehe ich es vor, nicht über die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Natur- und Kulturgebieten zu sprechen, sondern mich auf das Innenleben der Landschaften zu konzentrieren und Reflexionen über die Eigenheiten des öffentlichen Raums in unserer Zeit zu erzeugen.

Wie lange hat Ihr Projekt gedauert und was waren die größten Schwierigkeiten?
Die Realisierung des Projekts dauerte etwa zwei Jahre. Während dieser Zeit reiste ich mehrmals nach Ägypten, beispielsweise an Ramadan oder während der trockenen Sommerzeit. Die größte Herausforderung bestand darin, Genehmigungen für das Fotografieren in abgesperrten Bereichen wie zum Beispiel Baustellen zu erhalten. In einigen Fällen habe ich mich an Bauunternehmen, Immobilienentwickler und Resortmanager gewandt und mir Zugang verschafft, indem ich meine Dienste als Architekturfotografin angeboten habe. Am Ende fotografierte ich für sie und mich selbst, was sich als sehr erfolgreiche Strategie erwies.

Eine weitere Schwierigkeit war die Tatsache, dass viele Bereiche entlang der Küste unter militärischer Kontrolle stehen, oder komplett privat waren. Da ich kein Arabisch spreche, vertraute ich auf die wertvolle Hilfe meines ägyptischen Freundes Alaa. Er konnte mit den Einheimischen kommunizieren, die in den meisten Fällen sehr einladend waren. Sie erlaubten mir nicht nur das Fotografieren, sondern in den meisten Fällen tranken wir danach zusammen Tee.

Alle Bilder auf dieser Seite: © Barbara Rossi
Equipment: Leica S007 mit Super-Elmar-S 1:3.5/24 mm, Super-Elmar-S 1:2.5/35 mm, Summarit-S 1:2.5/70 mm, APO-Macro-Summarit-S 1:2.5/120 mm, APO-Elmar-S 1:3.5 180 mm
© Barbara Rossi

Barbara Rossi

Die italienische Fotografin Barbara Rossi (1988) erhielt einen Bachelor of Fine Art von der Accademia di Belle Arti di Brera in Mailand und einen Master in Fotografie von der National Film School in Rom. Ihre Arbeiten wurden in Gruppen- und Einzelausstellungen bei der Triennale Mailand, dem Festival di Fotografia Europea in Reggio Emilia, der Galerie VV8, Les Rencontres d'Arles 2016 und der ägyptischen Botschaft in Rom gezeigt. Sie wurde von Adda Editore, Wallpaper*, Der Greif und Domus web veröffentlicht und lebt derzeit in Köln, wo sie mit Hans-Georg Esch zusammenarbeitet.

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