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PORTFOLIO

14.02.2020

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Mit seiner Serie „Runners of the Future“ schuf der Franzose Alexandre Dupeyron die flüchtige Dystopie einer generischen Megastadt. Wir sprachen mit ihm über seine Philosophie und seinen fotografischen Prozess.

LFI: Wie ist die Serie „Runners of the Future“ entstanden?
Alexandre Dupeyron: Die Mehrheit der Menschen lebt heute in riesigen städtischen Arealen, viele davon in Megastädten mit großen Vorstädten und einer Bevölkerung von 10 Millionen und mehr. Im Jahr 2010 zog ich nach Singapur und begann mit der Arbeit an „Runners of the Future“. Diese Serie führte mich nicht nur einmal nach Seoul, Hongkong, Tokio, Taipeh, Shanghai, Peking, Chong Chin, New York, Paris und London. Während ich zwischen diesen schnelllebigen Städten hin- und herreiste, wuchs in mir die Überzeugung, dass alles langsam verschmilzt. Wir bewegen uns auf ein Netzwerk der globalen Zivilisation zu. An jeder Straßenecke, von der Spitze bis zum Boden jedes Wolkenkratzers, versuche ich mich zu akklimatisieren, zu hinterfragen. Unabhängig von der Stadt ist es die gleiche absurde Flucht, die gleiche lärmende Stille. Es gibt nur eine unpräzise Spur, ein verschwommenes Bild, wie ein Zerrspiegel, in dem wir uns alle sehen.

Wie verläuft Ihr fotografischer Prozess?
In diesem Essay schaffe ich eine fiktive Megalopolis, als visuelle Poesie. Eine fotografische Erzählung, die die Modernität und die Stellung des Menschen in der Megalopolis in Frage stellt. Auf der Suche nach Symbolen, bei dem Versuch, meinen Gefühlen so nahe wie möglich zu kommen, beabsichtige ich, einen einheitlichen fiktiven Raum in einer dystopischen Metapher einer generischen Stadt zu zeichnen. Die Kamera bietet mir die Mittel für eine Transformation des Gesehenen, ein Instrument, das mir hilft, die Realität zu gestalten. Ich versuche einen Vorschlag zu machen, bei dem jeder Mensch die Möglichkeit hat, seine eigene Geschichte zu schaffen, sei sie nun in der Realität verankert oder in die Fiktion projiziert.

Die meisten Ihrer Fotos wirken verschwommen, eher ein Eindruck als eine genaue Darstellung der Realität …
Die Fotografie hilft mir, die Welt nicht zu definieren, sondern wahrzunehmen. Nicht etwas zu behaupten, sondern etwas anzudeuten. Nicht zu zeigen, sondern zu suggerieren. Ich versuche, bestimmte Details zu eliminieren, um die Aufmerksamkeit auf das zentrale Thema und meine Gefühle zu lenken. Ich suche nach dem Universellen und nicht nach dem Singulären. Das Bild soll ein Riss in einem bereits abgesteckten Gebiet, einer organisierten Landschaft sein, ein Bild, das eine Erfahrung der Desorientierung und der Verwirrung ermöglicht. In diesen Riesenstädten bewege ich mich im gleichen Tempo wie die Menge, getragen von dem, was sie zum Laufen bringt – als ob ich mich, auf einem Tierrücken sitzend, von den Bewegungen seiner Wirbelsäule tragen ließe. Durch das Objektiv versuche ich dann, diese andere Seite des Spiegels einzufangen, was für mich auf ein Wort hinausläuft: Einsamkeit.

Welche Kameras haben Sie benutzt und warum?
Ich habe die Leica M6, M8, M9 und MP verwendet. Die M6 mit einem Kodak Tri-x wird immer meine Favoritin sein. Mit der M8 und M9 habe ich den Sprung ins Digitale gewagt: Sie sind die Kameras meine Wahl für Auftragsarbeiten. Die Leica M gibt mir viele Freiheiten. Es ist das Werkzeug, mit dem ich meine Unschärfe perfektioniert habe und die M-Objektive sind die einzigen, die in der Lage sind, ein winziges bisschen Schärfe in meinem Schwung zu finden. Obwohl ich immer auf der Suche nach Zufällen bin, beherrsche ich die Technik. Das Fotografieren auf der Straße ist ein Tanz, ich versuche, mich mit der Welt um mich herum zu synchronisieren, versuche, sie zu umarmen. Ich fokussiere das Objektiv auf einen festen Punkt und balanciere in der Bewegung. Visuelle Impulse, die ich in meinem Rhythmus einfriere, um letztlich eine Symbiose meiner inneren und der mich umgebenden Welt zu finden.

Interview: Denise Klink

Alle Bilder auf dieser Seite © Alexandre Dupeyron
Equipment: Leica M6, M8, M9 mit diversen Objektiven

Alexandre Dupeyron

1983 geboren, entdeckte der Franzose die Fotografie schon früh in seiner improvisierten Dunkelkammer, aber erst nach einem Kommunikationsstudium entschied er sich, sie hauptberuflich zu verfolgen. Seine erste dokumentarische Arbeit über den Völkermord in Darfur wurde in französischen Zeitungen veröffentlicht und dank des UNHCR 2006-2007 in Verdun ausgestellt. 
Neben Auftragsarbeiten für die Presse verfolgt er  in seiner persönlichen Arbeit einen poetischen, rein evokativen Ansatz, der mit Schwarz-Weiß und der Darstellung von Bewegung verbunden ist.

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