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PORTFOLIO

11.07.2022

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In ihrer neuen Serie arbeitet die italienische Fotografin mit Archivmaterial, das sie künstlerisch bearbeitet und mit eigenen Aufnahmen verbindet. Eine sehr persönliche Serie, denn die Fotografin stammt selbst aus Süditalien und setzt sich in Parallel Eyes mit der Identität, der Geschichte und mit Vorurteilen auseinander. Wir sprachen mit Alessia Rollo über die Hintergründe der Arbeit und ihren künstlerischen Zugang.

LFI: Worum geht es in Ihrer neuen Serie?
Alessia Rollo: Parallel Eyes ist ein noch laufendes Multimediaprojekt über das Vorurteil, dass die süditalienische und mediterrane Kultur rückständig ist. Ich arbeite daran, einen dekolonisierten Blick auf unser Erbe zu werfen, einen inneren Standpunkt einzunehmen und den Realismus und den Kapitalismus des visuellen Materials, das in den letzten Jahrzehnten über Süditalien produziert wurden, historisch zu überarbeiten. Zwischen 1950 und 1960 wurde Süditalien, die Region, aus der ich komme, von einer Gruppe von Anthropologen, Filmemachern und Fotografen untersucht, klassifiziert und beurteilt. Die Idee von „la questione Meridionale“, „dem süditalienischen Problem“, entstand genau zu diesem Zeitpunkt: Während Italien sich als modernes und technologisches Land profilieren wollte, wurden die Lebensweise Süditaliens, die Rituale und Traditionen aus wirtschaftlichen und sozialen Gründen als störend empfunden.

Mit welchen künstlerischen Mitteln arbeiten Sie an der Serie?
Ich greife in die Bilder ein, indem ich fotografische Techniken wie digitale und analoge Manipulationen, das Bemalen von Negativen oder das Perforieren von Bildern verwende. Ich habe mich für verschiedene fotografische Techniken entschieden, weil ich den Betrachter zum Zweifeln an dem bringen möchte, was er sieht, und auch, um den wissenschaftlichen Ansatz der ethnografischen Fotografie zu kritisieren, die die Komplexität einer Gesellschaft als Objekt studiert und verharmlost. Mein Ziel ist es, den magischen und rituellen Aspekt, der durch die wissenschaftliche Herangehensweise der Fotografen ausgelöscht wurde, in die Bilder zurückzubringen. Außerdem dokumentiere ich mit meiner Kamera Rituale, die es in Süditalien noch immer gibt. Mein Ziel ist es nicht, einen neuen anthropologischen Katalog von Ritualen zu erstellen, sondern eine andere visuelle Erzählung über unsere Wurzeln zu schaffen, um die Wahrnehmung unserer Vergangenheit zu verändern und eine neue Vorstellung von unserer Zukunft zu entwickeln.

Sie erarbeiten also eine Art neue Identität der Region?
Ja, das Ziel meiner Forschung ist es, eine andere visuelle Erzählung über unsere Kultur zu schaffen, ausgehend von Ritualen, Andacht und Glauben in Süditalien. Es gibt keine Selbstdarstellung dieser Region des Landes, da in den letzten 70 Jahren nur Fotografen aus dem Norden (meist Männer) für die Darstellung unserer Gesellschaft zuständig waren. „Parallel Eyes“ ist meine persönliche Forschung über die Kultur, der ich angehöre: Mein Ziel ist es, einen „parallelen Blick“ zu entwickeln, um eine komplexere Analyse der süditalienischen Kultur zu ermöglichen und die Identitätskonstruktion der mediterranen Kultur in visueller, historischer und soziologischer Hinsicht neu zu betrachten.

Seit wann arbeiten Sie an der Serie? Welche weiteren Pläne verfolgen Sie?
Ich habe diese Serie Ende 2019 begonnen. Während der Pandemie konnte ich nur mit Archivmaterial arbeiten, da alle Zeremonien untersagt waren. So habe ich im letzten Jahr versucht, mich mehr auf die Dokumentation der Rituale in den verschiedenen Regionen Süditaliens zu konzentrieren und auch zu filmen und Töne aufzuzeichnen. Meine Idee ist es, mindestens ein weiteres Jahr zu investieren, um mehr zu fotografieren und an visuellen Lösungen für die Prints und für die Erstellung von Multimediawerken zu arbeiten. (Interview: Ulrich Rüter)

Alle Bilder auf dieser Seite: © Alessia Rollo
Equipment: Leica SL mit Vario-Elmarit-SL 1:2.8–4/24–90 ASPH.
© Henriette Maria Giovanna Siemons

Alessia Rollo

Geboren 1982 in Lecce, Apulien. Studium in Perugia, anschließend Studium und Abschluss mit einem MA in kreativer Fotografie am EFTI International Center of Photography and Cinema in Madrid. Für Rollo ist die Fotografie kein Medium, das eine Situation erklärt oder dokumentiert, sondern eines, das eine Vielzahl von Metaphern erlaubt. Sie nahm an zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen in verschiedenen Ländern teil. „Parallel Eyes“ wurde 2021 beim Bitume Photofest in Lecce und beim Futuro Arcaico Festival in Bari, Italien, ausgestellt.

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