PHOTO STORIES

18.11.2016

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„Ein Haus brennt, davor eine Henne und eine Gans. Dann qualmt es im Hotel, im Fenster über der Tür steht ein Hundeporträt. Katzen überall, unter Autos, auf den Dächern, zwischen den Beinen. Und schließlich ein Huhn, das aussieht, als wolle es das Cover von Abbey Road nachstellen.

Es erscheint auf den ersten Blick etwas naiv, heutzutage eine Serie mit Tieren aus der türkischen Metropole zu zeigen – hier gibt es sie trotzdem. Obwohl Istanbul brennt.

Als die Serie im Januar 2014 entstand, hatten sich die Auseinandersetzungen um den Gezi-Park gerade etwas beruhigt. Aber immer noch gab es beinahe jeden Abend heftige Zusammenstöße zwischen der demonstrierenden Bevölkerung und der Staatsmacht. Opfer vom Taksim-Platz wurden beklagt, die Gentrifizierung der Stadt angeprangert, ein freies Internet gefordert. Die Stimmung der vielen Menschen bewegte sich zwischen Verzweiflung und Wut, sie war mit den Händen zu greifen.

Nur die Tiere machten, was sie immer machen.

In Istanbul fiel mir auf, dass es bei mir in Hamburg keine Hühner gibt. Aber türkische Männer sagten „puut“, wenn sie die Aufmerksamkeit der Tiere auf sich lenken wollen – so machen es auch die Menschen in meiner ostfriesischen Heimat.

Am Rande der Unruhen die animalische Alltäglichkeit zu fotografieren, erschien mir absurd, auf eine Weise aber auch widerspruchsfrei. Den Blick vom vorherrschenden Motiv abzuwenden, um zu schauen, was sich sonst noch so tut. Dann kommen die Katzen, ein paar Hunde und manchmal auch eine Gans oder ein Huhn zum Vorschein – in gewohnter Normalität.“

Jann Wilken

Geboren in Ostfriesland, Studium der Visuellen Kommunikation in Hamburg und Zürich. Nach dem Studium Arbeit als freier Fotograf, seitdem Veröffentlichungen u.a. in Süddeutsche Zeitung, Die Zeit. Wilken lebt und arbeitet in Hamburg.


www.jannwilken.net
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