Über Kalaschnikows, Kreuze und Tauben

Andy Spyra

21. Juli 2014

„Das Problem ist: Es gibt hunderte gute, oftmals sogar ikonische Bilder von Tauben und wenn man billige Klischees und Kopien vermeiden will (sofern das überhaupt noch möglich ist), braucht man ein verdammt gutes Bild.“
„Seit einigen Jahren arbeite ich an verschiedenen Langzeitprojekten, in denen ich versuche, die Folgen von Völkermorden in Bildern zu dokumentieren: Ich habe in Bosnien fotografiert oder zuletzt in Armenien. Während man jedoch im Krieg die Frontlinien hat, Waffen, Kämpfe und Flüchtlinge, herrscht im Falle eines Genozids, wie von den Tätern beabsichtigt, eine unerträgliche Stille.

Doch Stille ist die Mutter der Metapher und Tauben sind eine davon, bedeutungsschwanger aufgeladen mit dem Nimbus des Friedens.

Das Problem ist: Es gibt hunderte gute, oftmals sogar ikonische Bilder von Tauben und wenn man billige Klischees und Kopien vermeiden will (sofern das überhaupt noch möglich ist), braucht man ein verdammt gutes Bild. Aber, genau wie Kreuze oder Kalaschnikovs: Solche Symbole sind unglaublich visuell und daher so schwer zu vermeiden.

Also fotografiert man, entgegen besseres Wissen und gegen alle Regeln des künstlerischen Wachstums, Tauben als billige Abkürzung zum Frieden. So wie ich.“

Andy Spyra+-

Geboren 1984 in Hagen. Studium des Bildjournalismus und der Dokumentar-fotografie an der FH Hannover, das er vorzeitig abbrach. Gewinner diverse Preise, darunter des Getty Images Grant for Editorial Photography 2009 und des Oskar Barnack Newcomer Award 2010 für seine Arbeit über den Kaschmir-Konflikt. Mehr

 

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